Kreislauf: Wie neues Erdgas aus CO2 und Wasserstoff entsteht

Mit dem Engagement vieler Bürger und Vereinigungen kommt die deutsche Energiewende gut voran. Auch der erneuerbare Anteil an der Stromerzeugung nimmt trotz Hindernisse der Regierung immer weiter zu. Damit wir uns dem 100%-Ziel dabei auch weiter annähern können, muss zunächst das schwankende Angebot erneuerbarer Energien geglättet werden.

Mit der Power-To-Gas-Technologie gibt es ein Verfahren, das nicht nur grünen Strom speichern, sondern auch klimaschädliches Kohlendioxid verwerten kann. Dr. Michael Specht vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) erklärt das Prinzip ganz einfach: „Unsere Stuttgarter Demonstrationsanlage spaltet aus überschüssigem erneuerbarem Strom Wasser per Elektrolyse. Dabei entsteht Wasserstoff und Sauerstoff. Durch eine chemische Reaktion des Wasserstoffs mit Kohlendioxid entsteht dann Methan – und das ist nichts Anderes als Erdgas, nur synthetisch erzeugt.“

Der besondere Vorteil dieser Technologie: Für die Lagerung des synthetisch erzeugten Gases sind keine neuen Einrichtungen nötig. Es kann einfach in das vorhandene Gasnetz eingespeichert werden.

Biomasse: Wie Kraftwerke durch Algen grüner werden

Vor allem im Sommer sind Viele nicht besonders gut auf Algen zu sprechen. Sie verschmutzen Hauswände oder machen das Baden im nahe gelegenen See unmöglich. Richtig eingesetzt könnten sie aber in Zukunft einen bedeutenden Platz in unserer Energiewelt einnehmen. Denn wie alle grünen Pflanzen, verarbeiten auch Algen Licht und CO2 bei der Photosynthese zu energiereicher Biomasse. Wird diese gepresst, entsteht ein Algen-Öl, das dann zu Biodiesel weiterverarbeitet werden kann.

Da die Verarbeitung der Pflanzen zu grünem Kraftstoff besonders energieaufwendig ist, kann die Technologie heute noch nicht wirtschaftlich angewandt werden. In einer brasilianischen Test-Anlage, in die Algen in großen, von Licht spendenden Glasfaserkabeln durchzogenen Behältern gezüchtet werden, kann Biodiesel zu einem Preis von etwa 30 bis 40 Cent je Liter hergestellt werden. Die Herstellung von einem Liter Diesel aus fossilem Erdöl kostet dagegen nur 20 Cent.      

Sinken die Herstellungskosten, könnten die Algen in Zukunft ein hohes Potenzial bieten. Dabei könnten sie nicht nur klimaschädliches CO2 aus alten Kraftwerken verwerten, sondern auch heute angebaute Energiepflanzen wie Raps, Mais oder Ölpalmen ablösen und dazu beitragen, Ackerflächen für die Produktion von Lebensmitteln freizuhalten.

Nachhaltig: Wie CO2 den Ölverbrauch senken kann

Fossiles Rohöl wird längst für mehr als nur zur Verstromung oder zur Wärmeerzeugung genutzt. So ist es unter anderem auch die Grundlage für Kunststoffe, aus denen heute zahlreiche Produkte vom Spielzeug bis zur Auto-Ausstattung hergestellt werden.

Das amerikanische Start-Up Novomer nutzt nun ein Verfahren, mit dem verschiedenste Plastik-Arten nachhaltig hergestellt werden könnten. Das Besondere daran: Basis der Kunststoffe von morgen ist klimaschädliches CO2. Die Idee, Kunststoffe aus Kohlendioxid herzustellen ist zwar nicht neu, jedoch war die Umsetzung bislang teuer und unwirtschaftlich.

Mit neuen Katalysatoren, die auf besonders günstigen Metallen basieren, könnte der Prozess in Zukunft immer weiter an Bedeutung gewinnen. Denn er reduziert nicht nur die CO2-Emissionen, sondern auch den Öl-Verbrauch.

Mit dem Autohersteller Ford hat bereits ein Großkonzern sein Interesse an der Technologie bekundet. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Spiegel plant dieser, schon in fünf Jahren einen auf CO2 basierenden Kunststoffschaum zur Herstellung seiner Autoteile zu verwenden. 270.000 Tonnen Erdöl könnten damit eingespart werden können.

CO2: Wenn der Klimakiller zum Rohstoff wird

eccuro Redaktion

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