Passiv Heizen – Was ist das eigentlich?

Passiv heizen heißt, dass einen Teil der Energie zum Heizen auch ohne technische Anlagen genutzt werden kann. Möglich wird das zum Beispiel ganz einfach durch die Sonne, die ihre wärmenden Strahlen auch im Winter durch die Fenster in unsere Häuser schickt. Da angekommen übertragen sie ihre Energie an Böden und Wände sowie zeitversetzt auch an die zu beheizenden Räume.

Besonders wichtig für das Konzept, das zum Beispiel aus dem Passivhausbereich bekannt ist, ist eine optimale Sonnen-Ausrichtung des gesamten Hauses.

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Wie funktioniert passives Heizen?

Das Konzept des passiven Heizens beruht auf einigen einfachen Überlegungen, die nicht nur in unbezahlbaren Luxushäusern, sondern praktisch in jedem neu gebauten Haus berücksichtigt werden können. Diese sind:

  1. Das Haus zur Sonne richten
  2. Energie durch Fenster hindurchlassen
  3. Die Wärme im Haus speichern
  4. Die Wärme im Haus einschließen
  5. Achtung: Den Sommer nicht vergessen
  6. Immer für ausreichend gute Luft sorgen

Im Folgenden erklären wir, was sich hinter den einzelnen Ideen verbirgt.

1) Das Haus zur Sonne richten: Räume optimal planen

Soll die kostenfreie Energie der Sonne auch im Winter zur Unterstützung der Heizung genutzt werden, ist es wichtig, das Gebäude schon bei der Planung nach der Sonne auszurichten. Dabei gilt es, wenn möglich alle Aufenthaltsräume, wie Wohn- oder Kinderzimmer nach Süden blicken zu lassen. Große Fensterflächen fangen dabei viel Licht ein und schaffen die Grundlage für optimale solare Gewinne.

Um unnötige Verluste von vornherein ausschließen zu können, sollten vor allem nach Norden orientierte Räume, wenn überhaupt, dann nur mit kleinen Fensterflächen ausgestattet werden. Denn durch den Lauf der Sonne sind solare Gewinne hier kaum zu erwarten.

2) Energie durch Fenster hindurchlassen: Die richtige Qualität von Fenstern und Türen

In Bezug auf die energetische Qualität von Fenstern kennen viele nur den U-Wert, der angibt, wie viel Wärme durch ein Bauteil hindurchgelangt. Wichtig für die Funktion passiver Heizkonzepte ist aber auch der Energiedurchlassgrad – auch g-Wert genannt. Denn einfach gesagt gibt dieser an, wie viel der mit dem Licht transportierten Energie auch tatsächlich durch transparente Flächen in das Haus gelangt.

Während ein kleiner U-Wert dafür steht, dass Wärme im Inneren des Gebäudes gehalten wird, gewährleistet ein hoher Energiedurchlassgrad, dass diese überhaupt erst hineingelangt – vor allem an nach Süden orientierten Fensterflächen.

3) Die Wärme im Haus speichern: Massive Bauteile als Wärmespeicher nutzen

Vergleicht man ein Gartenhaus mit einer Kirche, kann man im Sommer Folgendes feststellen: Während es im Leichtbau-Gartenhaus schon nach wenigen Sonnenstrahlen unerträglich warm wird, bleibt es in der Kirche auch nach anhaltenden Hitzewellen angenehm kühl. Grund dafür sind die dicken Wände, die einen Großteil der Wärme aufnehmen und speichern.

Auch wenn die Kirche hier ein Extrembeispiel ist, kann der Effekt auch in herkömmlichen Ein- und Mehrfamilienhäusern genutzt werden. Voraussetzung: Sie werden massiv – also zum Beispiel Stein auf Stein - gebaut. Denn dann kann die Wärme der Sonne in Wänden und Decken gespeichert und auch zeitversetzt zum Heizen genutzt werden. Und das ganz ohne aufwendige Technik.

4) Die Wärme im Haus einschließen: an Dämmung und Luftdichtheit denken

Besonders hoch ist der Nutzen der solaren Gewinne immer dann, wenn die übrigen Verluste des Gebäudes sehr niedrig sind. Damit das gewährleistet werden kann, kommt es neben Größe, Ausrichtung und Qualität der Fenster auch auf Dämmung und Luftdichtheit an. Denn dadurch steigt die energetische Qualität der Gebäudehülle und die einmal gewonnen oder erzeugte Wärme bleibt im Haus.

5) Achtung: Den Sommer nicht vergessen: ausreichend Verschattung einplanen

Während große Fensterflächen mit hohem Energiedurchlassgrad im Winter zur passiven Unterstützung der Heizung beitragen, können sie im Sommer dazu führen, dass es schnell unangenehm warm wird. Denn auch wenn die Heizwirkung der solaren Wärme durch die Speicherfähigkeit massiver Bauteile etwas verzögert wird, heizen sich gut gedämmte Häuser ohne entsprechende Maßnahmen unangenehm auf. Eine optimale Verschattung – zum Beispiel durch auskragende Bauteile wie Balkone, außen liegende Lamellen oder Rollläden - bietet dabei besten Schutz. Und das sogar ohne teure Kühl- oder Klimageräte.

6) Immer für ausreichend gute Luft sorgen: die Lüftung zum Feuchteschutz

Durch die hohe Dichtheit moderne Gebäude kann vorhanden Luftfeuchte von selbst oft nicht mehr ausreichend reguliert werden. Um dabei Schimmel und Bauschäden durch kondensierendes Wasser vorbeugen zu können, ist es wichtig, immer für ausreichend hohe Belüftung zu sorgen. Neben der Fensterlüftung ist das zum Beispiel durch zentrale oder dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung möglich. Diese garantieren, dass immer ausreichend frische Luft vorhanden ist, und sorgen vor allem im Winter dafür, dass die Wärme im Haus bleibt.

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