Aktuell: Förderdschungel ist kaum zu durchdringen

Wer heute ein Haus saniert, entscheidet sich oft für die Mindestlösung. Er hält sich an die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und verzichtet auf eine übermäßige Effizienz. Und das, obwohl attraktive staatliche Fördermittel die Mehrkosten in bessere Technik oder höheren Wärmeschutz oft ausgleichen. Der Grund dafür: Die deutsche Förderlandschaft gleicht heute einem undurchdringbaren Dschungel.

Unterschiedliche Programme, Ansprechpartner und Voraussetzungen

Viele Hausbesitzer wissen nicht, welche Fördermittel ihnen zustehen. Sie kennen die technischen Voraussetzungen nicht oder erfahren erst viel zu spät davon, dass ihnen bei der bereits durchgeführten Sanierung hohe Zuschüsse zugestanden hätten. Für zahlreiche Maßnahmen sind dabei unterschiedlichste Programme verfügbar. Sie unterscheiden sich in ihren Anforderungen, in der Art der Beantragung und in der Höhe der Zuschüsse. Kombinierbar sind sie allerdings nicht.

Ein Beispiel ist der Austausch einer Haustür: Für diese Maßnahme gibt es allein zwei KfW-Programme, die jeweils als Zuschuss oder Darlehen erhältlich sind. Während sich die Zuschusshöhen unterscheiden, gibt es das Darlehen einmal mit und einmal ohne Tilgungszuschuss. Hinzu kommen steuerliche Boni und teilweise auch regionale Mittel – ein Wirrwarr aus Förderangeboten, das kaum einer durchschaut. Die neue BEG-Förderung, die Bundesförderung für effiziente Gebäude, soll das ändern.

BEG-Förderung vereinfacht die Förderlandschaft

Mit der BEG-Förderung soll jeder schnell zum richtigen Förderprodukt kommen. Hausbesitzer und Sanierer sollen erkennen, dass sich Mehrausgaben durch Fördermittel sowie Einsparungen bezahlt machen und öfter sowie besser sanieren bzw. bauen. Möglich ist das mit einer drastischen Vereinfachung: Viele Programme, die aktuell bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder beim BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) beheimatet sind, kommen in Zukunft unter ein Dach: Das Dach der Bundesförderung für effiziente Gebäude oder kurz: Der BEG-Förderung.

Drei Säulen bündeln in Zukunft die Förderangebote

Gestützt wird dieses Dach in Zukunft von drei Fördersäulen, die für je einen Förderweg stehen. Die folgende Übersicht zeigt, welche das sind:

  • BEG WG (Förderung für Wohngebäude): Hier gibt es Zuschüsse und Darlehen für die ganzheitliche Sanierung und den effizienten Neubau von Wohngebäuden. Die Höhe der Fördermittel hängt dabei vom erreichten Effizienzhaus-Niveau ab.
  • BEG NWG (Förderung für Nichtwohngebäude): Hier gibt es Zuschüsse und Darlehen für die ganzheitliche Sanierung und den effizienten Neubau von Nichtwohngebäuden. Die Höhe der Fördermittel hängt dabei vom erreichten Effizienzhaus-Niveau ab.
  • BEG EM (Förderung für Einzelmaßnahmen): Hier gibt es Zuschüsse und Darlehen für Einzelmaßnahmen zur Sanierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden. Die Kombination verschiedener Maßnahmen sorgt dabei für bessere Konditionen.

Für jeden Bereich gibt es in Zukunft eine Zuschuss- und eine Darlehensvariante. Wie bisher sind Letztere dabei vermutlich auch mit hohen Tilgungszuschüssen verbunden. Diese reduzieren die zurückzuzahlenden Kreditsummen und sorgen für besonders attraktive Konditionen sowie negative Zinsen.

Ein Antrag und zwei einheitliche Anlaufstellen

Während die Darlehensvarianten weiterhin bei der KfW beheimatet und über die Hausbank zu beantragen sind, gibt es Zuschüsse in Zukunft immer vom BAFA. Darüber hinaus wird es ab 2021 auch nur noch einen Antrag geben. Über diesen lassen sich Fördermittel für Sanierungsarbeiten am Gebäude, den Heizungstausch und die Baubegleitung durch einen Energieberater gemeinsam beantragen.

Ändern sich die Konditionen mit der BEG-Förderung?

Aktuell ist davon auszugehen, dass sich die Förderraten auch 2021 nicht ändern. Denn öffentliche Stellen gaben bekannt, dass sich die Konditionen an den aktuell verfügbaren Programmen orientieren. Das Gleiche gilt auch für die technischen Mindestanforderungen. Hier fordert der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.) eine Angleichung an die Vorgaben, die auch bei dem neuen Steuerbonus für die Sanierung gelten.

Kombinationen ermöglichen noch bessere Konditionen

Einige Änderungen sind jedoch zu erwarten. So soll es besondere Prämien für den Einsatz erneuerbarer Energien geben. Auch für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) könnte es in Zukunft einen Bonus geben. Die Sonderzahlungen ergänzen die aktuell verfügbaren Fördermöglichkeiten und stellen somit eine Verbesserung dar. Speziell für Wohngebäude gilt außerdem Folgendes:

  • BEG-Förderung für die Sanierung zum Effizienzhaus 40
  • Fördermittel für die Sanierung zum Effizienzhaus 115 entfallen
  • höhere Förderung der Baubegleitung in Mehrfamilienhäusern
  • bei Denkmalen entfallen Anforderungen an den Wärmeschutz

Hinzu kommen eine neue Förderung von sogenannten digitalen Systemen („Efficiency Smart Home“) und Sonnenschutzsystemen. Letztere wird es dabei auch ohne Fenstertausch geben.

Änderungen sind auch bei Nichtwohngebäuden zu erwarten

In Nichtwohngebäuden gibt es voraussichtlich keine Fördermittel mehr für Hallenheizsysteme als Einzelmaßnahme. Dafür erhalten Bauherren und Sanierer Zuschüsse, wenn ein Energieberater die Bauarbeiten überwacht. Geht es um die Beantragung von Mitteln, ist Letzterer ab 2021 voraussichtlich Pflicht. Wer ein Nichtwohngebäude mit Effizienzhaus-Niveau errichtet oder entsprechend saniert, erhält in Zukunft höhere Fördermittel. Voraussetzung dafür ist, dass regenerative Energieträger mindestens 55 % des Wärmebedarfs decken oder das Gebäude ein Nachhaltigkeitszertifikat erhält. Außerdem kommen bei der Sanierung ab 2021 die Effizienzhaus-Niveaus 40 und 55 hinzu. Ersteres gibt es dann vermutlich auch im Neubau, während der Effizienzhaus-70-Standard dort entfällt.

BEG-Förderung kommt 2021 in zwei Schritten

Die Einführung der neuen BEG-Förderung ist für 2021 geplant. Während erste Angebote für Einzelmaßnahmen (BEG EM) bereits ab Januar verfügbar sein sollen, ist mit der BEG WG und BEG NWG Förderung erst Mitte des Jahres 2021 zu rechnen.

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