Eine gemeinsame Aufgabe

Energiewende ist in Deutschland ein umfangreiches Thema. Es besteht aus der erneuerbaren Stromerzeugung, Energiemobilität, Energieeffizienz, Wärmewende, dezentrale Energieerzeugung mit Kraftwärmekopplung,  Verkehr in größerem Sinne und die globale Gesamtwirkung des Prozess anhand der gemessenen Treibhausgasemissionen.

Mit dem Ziel die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken, ist die Energiewende ein ehrgeiziges Projekt. Trotz der Vielfalt der Akteure und widersprüchlicher Interessen des deutschen Energiemarkts, schaffte es die Bundesregierung einige Ziele der Energiewende plangemäß voranzutreiben. Nicht zuletzt auch durch das kürzlich verabschiedete Klimapaket. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ist der erfolgreichste Parameter der Energiewende mit 30 Prozent des Gesamtstromverbrauchs. Elektromobilität hingegen bleibt im relativen Stillstand: bis 2020 war geplant, eine Million Elektrofahrzeuge im Einsatz zu sehen. Dieses Ziel wurde verfehlt, da es bisher nur knapp  20,000 Elektrofahrzeuge (ohne hybride Modelle) auf den Straßen gibt.
In den 1980s war die Energiewende eine Vision von einigen Umweltschutzaktivisten. Seit dem Jahr 2000 hat die Energiewende eine erhebliche Unterstützung der Politik bekommen. Erneuerbare Energien (EE) und Energieeffizienz sind zum Mainstream geworden. Im Jahr 2010 - bereits vor der Katastrophe in Fukushima - hat Deutschland sehr ehrgeizige Energiepolitik vorangetrieben und das Ziel vorgelegt 80% des erzeugten Stroms bis Jahr 2050 aus EE zu produzieren. Nach einigen Experten zufolge, hat die Fukushima Katastrophe die Energiewende beschleunigt.

Die Forschung und Entwicklung neuer Lösungen für Energieprobleme, sind ein unabdingbarer Teil der Energiewende. Die Ziele der Bundesregierung werden ohne neue technologische Durchbrüche kaum erreichbar sein, ohne eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten zu verursachen. Es wird im Allgemeinen so viel Anreize und Förderungen für Forschung und Entwicklung geben wie nötig, bis eine neue Technologie im Wettbewerb mit konventionellen Energiequellen und Methoden bestehen kann.  Die Förderschwerpunkte des BMWi in der Energieforschung beziehen sich auf Energieeffizienz, Energiespeicher für stationäre und mobile Anwendungen, das Stromnetz, Brennstoffzellen und Wasserstoffnutzung.

Ein ehrgeiziges Projekt

Der Ausbau von erneuerbaren Energien begann erst im Jahre 1990. Zehn Jahre später ist die Entscheidung für den  Atomausstieg getroffen worden. Die quantitativen Ziele der Energiewende wurden 2010 vorgelegt. Die Entscheidung für den Atomausstieg wurde nach der Fukushima-Katastrophe weiter gefestigt. Dieses Ereignis hat die Energiewende maßgeblich beschleunigt. Bis 2022 soll das letzte Kernkraftwerk ausgeschaltet werden, bisher wurde 9 außer Betrieb genommen und weitere 8 sind verblieben.

Früher teilten sich vier große Versorger den größten Teil des deutschen Energiemarkts. Jeder der "großen vier" verfügte  über seine eigenen Verteilungsnetze, verhinderte durch die regionale Trennung der Netze effektiv den Wettbewerb und unterstützte im Allgemeinen eine sehr unbewegliche Marktstruktur. Für mehrere Jahrzehnte waren diese System sehr robust, da die technologischen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen sich gegenseitig verstärkten. Nachdem die Umweltbewegung zu einem zentralen Akteur in der deutschen Politik geworden ist,  wurden 1991 in Rahmen der Erneuerbare-Energien-Gesetze einige Pro-EE-Richtlinien eingeleitet und deutlich im Jahr 2000 erweitert. Diese Unterstützung für EE zog technologische Verbesserungen und zunehmend dezentrale Energieerzeugung nach sich. Der EE Anteil an Stromerzeugung stieg von 4% in 1996 auf 20% im Jahr 2011 und auf 30% in 2015.

Eine Vielfalt von staatlichen Akteuren und gewerblichen Konzernen operieren im Bereich Stromerzeugung. Das wurde mit der Liberalisierung der Stromerzeugung in den 90er Jahren machbar. Mit diesem neuen technologischen Horizont bietet die Energiewende neue finanzielle Möglichkeit für Verbände und Gemeinden. Bürger, NGOs und Unternehmen spielen eine immer wichtigere Rolle in politischen Prozessen der letzten Jahrzehnte. Die Liberalisierung des Energiemarktes hat den kommunalen Handlungsspielraum stark dadurch beeinflusst, dass lokale Beseitigung von Versorgungsmonopolen, einschließlich der Einrichtung kommunaler Stadtwerke, mehr Handlungsmöglichkeiten ermöglicht. Mehrere Kommunen deutschlandweit haben eigene Energieziele gesetzt, und tragen dazu bei, ein zuverlässiges Umfeld für Investoren zu schaffen. Folglich wuchsen die Wettbewerbsfähigkeit und ed gab ein positives technisch-wirtschaftliches Feedback.  Eine Studie von Trend-research von 2012 zeigt, dass knapp 35% der EE-Leistung von Privatpersonen genutzt wurde. Damit sank auch der Einfluss der großen Energiekonzerne und die Vertreter von neue EE Erzeuger konnten Kontakte mit der politischen Ebene aufbauen.

Erfolg der Energiewende nach Kriterien

Jedes halbe Jahr treffen sich die Bundeskanzlerin, Bundeswirtschafts- und Bundesumweltminister mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder, um den Verlauf der Energiewende zu diskutieren. In verschiedenen Fachgremien findet einen Austausch mit Vertretern aus Ländern, Wirtschaft, Verbraucherverbänden, Gesellschaft und Wissenschaft statt. In den Monitoringberichten der BMWi werden die Fortschritte der Energiewende evaluiert und erläutert, als ein Bestandteil der „10-Punkte-Energie-Agenda“ des BMWi.

Die Ziele der Energiewende orientieren sich an dem sogenannten “energiepolitischen Zieldreieck” das drei Dimensionen enthält: Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit. Die Versorgungssicherheit von Strom bleibt in Deutschland stabil wie zuvor, die beiden anderen Kriterien sind noch zu erreichen. Die Energiewende ist in einigen Aspekten erfolgreich. Der Energieverbrauch sinkt. Seit 1990 ist der Energieverbrauch um 9 Prozent gesunken. Erneuerbare Energien haben 2015 erstmal die 30% Marke des Stromverbrauchs in Deutschland erreicht und ist somit zur größten Stromquelle geworden. Im Bereich Energieefizienz besteht noch weiterer Handlungsbedarf. Da liegt die Jährliche durchschnittliche Steigerung an Effizienz zwischen 1,1 und 1,7 seit 2008, noch weit weg von den geplanten 2,1 Prozent Energieefizienzsteigerung. Die Verminderung der Treibhausgasemissionen lag 2014 bei 27% und nähert sich dem  für 2020 gesetzten Verminderungsziel von 40 an. Nach Prognosen des Monitoringsberichts werden Treibhausgaseemisionnen mindestens um 35% bis 2020 reduziert. Jedoch bis zur geplanten Reduktion an Emissionen von 80 Prozent gegenüber 1990, bleibt noch viel unklar. Im Verkehrsbereich bleibt die Energiewende nahezu auf dem gleichen Stand: Der Endenergieverbrauch im Verkehr ist seit 2005 bis 2014 um 1,7 Prozent weitergestiegen. Das Ziel von Verkehrsenergie um 10% bis 2020 zu senken scheint nun nicht mehr realisierbar zu sein. Zu den vorgelegten Zielen gehört auch die Strompreissenkung. Zwischen 2014 und 2015 sind die Preise nicht mehr gestiegen und nach der Bundesregierung auch zu Beginn des Jahres 2015 zum ersten Mal gesunken. Die Ausgabe für Importe von fossilen Energieträger ist in Deutschland ebenfalls gesunken. Grund dafür ist nicht nur der Preissenkung, sondern auch der Ausbau der EE.

Fazit und Zusammenfassung

Die Energiewende ist zwar vom Staat gesteuert aber ihr Verlauf ist von den Interessen aller Beteiligten abhängig. Daher ist die  Kontinuität der Energiewende über mehrere Legislaturperioden bemerkenswert. Erneuerbare Energien zahlreicher dezentralisierter Anlagen wachsen in Deutschland weiter an, wobei die gewünschte erneuerbare Stromquote erreicht wird. 

Um ein Energiesystem zusammenzuhalten, sollen technologische, politische und Wirtschaftsstrukturen einander gegenseitig unterstützen und verstärken. Dezentrale erneuerbare Stromerzeugung hat sich bereits als ein solches System in Deutschland etabliert. Sie befindet sich in einer kontinuierlichen Wachstums- und Übergangsphase. In der Branche der erneuerbaren Energien wurde ein positiver Feedback-Zyklus festgelegt.  Die Ziele der Energiewende, die technologischen Fähigkeiten der Industrie, die Lobby für erneuerbare Energien und die Bürgerakzeptanz verstärken sich gegenseitig. Ein solches System ist im Bereich Elektromobilität und Verkehr noch nicht etabliert. Nur eine gemeinsame Zusammenwirkung aller beteiligten Akteure kann die Energiewende effektiv zum Erfolg führen.

 

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