Gründe für Fensterfalzlüfter oder andere Lüftungssysteme

Moderne Gebäude, ganz gleich, ob neu gebaut oder energetisch modernisiert, sind meist sehr dicht. Vor allem durch neue Fenster gelangt dabei kaum Außenluft in den Wohnbereich. Diese ist jedoch wichtig, um darin anfallende Feuchte- und Schadstofflasten zu regulieren. Die Luft bringt darüber hinaus Sauerstoff in das Haus und trägt so zu einem behaglichen Klima bei. Ohne regelmäßige Durchlüftung steigen die Konzentrationen der Schadstoffe an. Die Luft riecht muffig, der Sauerstoff fehlt und die relative Feuchte nimmt zu. Letzteres kann dazu führen, dass Wasser aus der Luft an umliegenden Wandflächen kondensiert. Die Folge ist dann oft Schimmel.

Zum Vergleich: Ein altes unsaniertes Gebäude aus dem Jahr 1970 erreicht Luftwechselraten von 3 bis 7. Im Neubau nach EnEV tauscht sich das Luftvolumen nutzerunabhängig nur 0,07 bis 0,1 mal in der Stunde aus.

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Vermeiden lassen sich die Probleme durch das regelmäßige Lüften. Die Lüftung über Fenster oder ein Lüftungssystem steigern dabei die Luftwechselrate im Haus. Das heißt: Alte und verbrauchte Raumluft wird regelmäßig abgeführt und durch frische Außenluft ersetzt. Fensterfalzlüfter sollen das einfach und kostengünstig ermöglichen.

Fensterfalzlüfter: Funktionsweise der kompakten Lüfter

Fensterfalzlüfter oder kurz FFL sind kleine Lüftungsventile, die im Rahmen der Fenster sitzen. Sie lassen sich in dem sogenannten Fensterfalz zwischen Rahmen und Flügel einschrauben und gewährleisten eine kontinuierliche Luftzirkulation. Möglich ist das durch das Entfernen von Teilen der Fensterdichtungen. Eine federbelastete Winddrucksicherung sorgt dafür, dass nie mehr Luft als nötig nach innen strömt. Auf ihrem Weg in das Haus nimmt die Luft bereits Wärme über die Fenster auf und gelangt angewärmt nach innen. Das vermindert Zugluft und sorgt für einen hohen Komfort. Ganz allgemein sind die Fensterfalzlüfter also geplante Undichtigkeiten in sonst dichten Fenstern, die einen Mindestluftwechsel auch ohne das Zutun der Nutzer gewährleisten sollen. Die Luftwechselrate ist dabei begrenzt.

Übrigens: Die Funktionsweise der Fensterfalzlüfter ist rein mechanisch. Die Geräte benötigen keinen Strom, sind manipulationssicher und gehen auch nicht zulasten des Einbruchschutzes.

Verschiedene Hersteller wie Regel-air, Innoperform oder Siegenia bieten heute Modelle an, die sich einfach in Kunststoff-, Holz- oder Holzaluminium-Fenster einbauen lassen. Die Montage der Fensterfalzlüfter funktioniert dabei in neuen und alten Fenstern, wie das folgende Video zeigt.

Das Video zeigt, wie die Lüfter der Firma Regel-air funktionieren und eingebaut werden.

Luftwechselrate ist abhängig von Gebäudelage und Winddruck

Wie viel die Fensterfalzlüfter leisten, hängt in der Regel vom Winddruck ab. Bläst der Wind auf eine Seite des Gebäudes (Luv) entsteht auf der windabgewandten Seite (Lee) ein Unterdruck. Dieser saugt die Luft durch das Haus und sorgt so für die nötige Entfeuchtung. Steht der Wind still oder hat eine Wohnung Fenster nur auf einer Seite der Fassade, strömt hingegen kaum noch Luft durch das Haus. Die Wirkung der Falzlüfter lässt nach und weniger Feuchtigkeit verlässt das Haus.

Ist der Winddruck auf der Luv-, also der windzugewandten Seite eines Gebäudes sehr stark, verschließt eine Winddrucksicherung die Fensterlüftung. Das schützt vor einem zu hohen Volumenstrom und sorgt für geringe Energieverluste.

Auch mit Fensterfalzlüftern müssen Verbraucher die Fenster öffnen

Je nach Größe und Winddruck kommen die Fensterfalzlüfter auf einen Luftvolumenstrom von 3 bis 8 Kubikmeter pro Stunde. Auch wenn dieser Wert abhängig von den Fenstern höher ausfallen kann, ist er dennoch sehr gering. Ein Beispiel: Ein 20 Quadratmeter großer und 2,5 Meter hoher Raum hat zwei Fenster, in denen Fensterfalzlüfter sitzen. Zusammen lassen diese also zwischen 6 und 16 Kubikmeter pro Stunde einströmen. Das entspricht einer Luftwechselrate von 0,12 bis 0,32. Der hygienisch bedingte Mindestluftwechsel liegt hingegen bei 0,5. Das heißt: Das gesamte Luftvolumen in einem Raum ist alle zwei Stunden durch frische Außenluft zu ersetzen. Da Fensterfalzlüfter das allein nicht schaffen, müssen Verbraucher auch mit dem Lüftungssystem regelmäßig Stoßlüften.

Aber: Fensterfalzlüfter sorgen für einen nutzerunabhängigen Mindestluftwechsel. Sind die Bedingungen günstig, können sie einen Großteil der Feuchtelast abführen, die bei Abwesenheit der Nutzer anfallen. Kommt Wasser durch körperliche Aktivitäten, Baden, Duschen, Kochen oder Reinigen in die Luft, sind die Fenster nach wie vor zu öffnen.

Einsatzbereiche: Wann lohnen sich Fensterfalzlüfter?

Neben der bereits beschriebenen Querlüftung kommen Fensterfalzlüfter auch für andere Lüftungssysteme zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Schachtlüftung. Dabei führt ein Abluftschacht in der Wohnung die verbrauchte Luft über das Dach. Durch Temperatur- und Höhenunterschiede entsteht in diesem ein Unterdruck, der Luft über die Falzlüfter in den Fensterrahmen saugt.

Als ALD (Außenluftdurchlasselement) einer mechanischen Abluftanlage (hier saugt ein Ventilator Luft aus dem Haus) kommen die Fensterfalzlüfter oft nicht infrage. Denn dafür lassen sie zu wenig Luft nach innen.

Je nach Anforderung können sie dafür aber für eine ausreichende Verbrennungsluftversorgung von Heizungsanlagen sorgen. So lassen sie zum Beispiel Außenluft für eine raumluftabhängige Gasbrennwerttherme einströmen.

Die folgende Liste gibt einen Überblick über die Einsatzbereiche der Fensterfalzlüfter:

  • Mindestlüftung zum Feuchteschutz in neuen und alten Gebäuden
  • nachrüstbares Lüftungssystem bei vorhandenen Schimmelproblemen
  • nutzerunabhängige Lüftung gemäß Lüftungskonzept nach DIN 1946 - 6
  • einbruchsicheres Lüftungssystem für neue und alte Gebäude
  • Verbrennungsluftversorgung raumluftabhängiger Heizgeräte

Wir empfehlen: Wer bereits Schimmelprobleme in der Wohnung hat, kann diese unter Umständen mit Fensterfalzlüftern in den Griff bekommen. Vor dem Einbau sollte ein Experte das Gebäude jedoch einmal gründlich untersuchen. Er kann die Ursache des Schadens herausfinden und entsprechende Lösungsvorschläge bringen.

Alternative: Zentrale oder dezentrale Lüftungstechnik im Haus

Für alle die mehr als einen unsicheren Mindestschutz suchen, sind zentrale oder dezentrale Lüftungssysteme eine interessante Alternative. Diese arbeiten mit Ventilatoren und stellen zuverlässig den benötigten Luftwechsel sicher. Mit Filtern und Schalldämpfern sperren die Geräte dabei Schmutz und Geräusche aus dem Haus aus. Anders als Fensterfalzlüfter können ventilatorgestützte Lüftungssysteme außerdem auch einen Teil der Raumwärme zurückgewinnen. So heizen sie mit der sogenannten Wärmerückgewinnung die frische Außenluft vor und sparen Heizkosten. Die wichtigsten Informationen zum Thema geben wir im Beitrag „Dezentrale Lüftung“.

Fensterfalzlüfter: Kosten und Förderung

Ein großer Vorteil der Fensterfalzlüfter ist ihr Preis. So können Wohnungsbesitzer all ihre Fenster für weniger als 250 Euro mit den Falzlüftern ausstatten. Soll ein Handwerker die Geräte einbauen, können Verbraucher die anfallenden Lohnkosten steuerlich geltend machen. Auf diese Weise bekommen sie über ihre Einkommenssteuererklärung 20 Prozent der Ausgaben für die Handwerkerleistung zurück. Maximal zahlt das Finanzamt bei der Förderung 1.200 Euro im Jahr.

Vor- und Nachteile der Fensterfalzlüfter

Fensterfalzlüfter sind günstig, klein und manipulationssicher. Sie lassen sich ohne großen Aufwand nachrüsten und sorgen bei günstigen Bedingungen für den Luftwechsel zum Feuchteschutz. Die Falzlüfter arbeiten darüber hinaus rein mechanisch ohne Strom und sind einbruchsicher. Nachteilig sind hingegen die relativ geringen und nicht immer sicheren Luftvolumenströme. Außerdem lassen sich die Lüfter weder mit Filtern noch mit Schalldämpfern ausstatten. Sie sind nicht mit Wärmerückgewinnung verfügbar und können die Heizkosten nicht senken. Die Fenster müssen Verbraucher im Übrigen auch mit den Fensterfalzlüftern regelmäßig öffnen. Die folgende Tabelle fasst alle Vorteile und Nachteile der Falzlüfter noch einmal zusammen.

Vorteile der Fensterfalzlüfter Nachteile der Fensterfalzlüfter
Lüftung zum Feuchteschutz geringer und nicht immer sicherer Luftwechsel
günstig in der Anschaffung keine Filter oder Schalldämpfer möglich
klein und einfach nachzurüste Arbeit ohne Wärmerückgewinnung
für Holz-, Holz-Alu- und Kunststofffenster geeignet Stoßlüften ist trotz Falzlüftern nötig
mechanische Funktionsweise ohne Strom  
einbruchsichere Lüftungssysteme  

Fensterfalzlüfter kaufen und einbauen: Ja oder nein?

In Fachforen berichten viele Energieberater von positiven Erfahrungen mit den Fensterfalzlüftern. Sie sorgen für einen höheren Luftwechsel und zusammen mit der Fensterlüftung für einen guten Feuchteschutz. Schimmel-Probleme ließen sich in den meisten Fällen beheben. Wer die Nachteile der Fensterfalzlüfter kennt und entsprechend handelt, kann sich durchaus für die günstigen Lüftungssysteme entscheiden. Wer jedoch eine sichere und vor allem komfortable Lüftungslösung sucht, sollte hingegen eine zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage installieren. In jedem Fall empfehlen wir vor dem Einbau die Beratung durch einen Experten. Dieser kann die Situation vor Ort begutachten und feststellen, ob die Falzlüfter die richtige Lösung sind. Das beugt bösen Überraschungen vor und kann teure Schäden verhindern.

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