Der Primärenergiebedarf: Verständlich erklärt

Der Primärenergiebedarf beschreibt die Menge an Energie, die ein Haus rechnerisch benötigt. Dabei berücksichtigt er weit mehr, als nur die Endenergie, die sich zum Beispiel am Strom- oder Gaszähler ablesen lässt. So bezieht die Primärenergie auch Prozesse außerhalb des Gebäudes ein. Beispiele dafür sind die Rohstoffgewinnung, -aufbereitung sowie die Verteilung bis hin zum Endverbraucher.

Der Primärenergiebedarf wird in der EnEV und im Wärmeschutznachweis mit „Qp“ angegeben. Er lässt sich in Kilowattstunden ausdrücken und als spezifische Größe auch auf einen Quadratmeter beziehen. Üblich ist die Angabe vom Jahresprimärenergiebedarf in Kilowattstunden pro Jahr oder Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

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Primärenergiefaktor bewertet verschiedene Energieträger

Ob der Primärenergiebedarf eines Gebäudes hoch oder niedrig ist, hängt dabei neben dem energetischen Zustand auch von den eingesetzten Energieträgern ab. Je nachdem, welcher im Haus zum Einsatz kommt, gelten dabei verschiedene Gewichtungsfaktoren. Die sogenannten Primärenergiefaktoren sind brennstoffabhängig und geben Aufschluss über die Umweltbilanz der Rohstoffe. Während Gas und Öl zum Beispiel mit einem Faktor von 1,1 belegt sind, erreicht Holz einen Primärenergiefaktor von 0,2. Wie sich das auf die Berechnung auswirkt, erklären wir im Abschnitt „Berechnung der Kenngröße“.

Primärenergie ist eine Kenngröße für EnEV und Energieausweis

Anwendung findet der Primärenergiebedarf heute in unterschiedlichen Bereichen. Einer davon ist die energetische Bewertung von Gebäuden nach aktueller Energieeinsparverordnung (EnEV 2014). Der Kennwert ist dabei in den Berechnungen und auf dem Energieausweis für ein Haus zu finden. Da sich der Primärenergiebedarf nicht direkt auf die Heizkosten auswirkt, ist er für Hausbesitzer oft etwas irreführend.

Was unterscheidet Primärenergiebedarf und Endenergiebedarf?

Während sich der Endenergiebedarf auf den Rohstoffverbrauch im Haus bezieht, sind die Grenzen bei der Primärenergie etwas weiter gefasst. Denn wie beschrieben berücksichtigt diese auch den Energieverbrauch für Förderung, Aufbereitung und Transport der Energieträger. Während das eine ökologische Bewertung zulässt, können Hausbesitzer vom Endenergiebedarf auf die Heizkosten schließen.

Ermittlung vom Primärenergiebedarf eines Hauses

Zur Berechnung vom Jahresprimärenergiebedarf multipliziert ein Experte den ermittelten Endenergiebedarf für einen bestimmten Energieträger mit dem zugehörigen Primärenergiefaktor. Verbraucht ein Haus im Jahr zum Beispiel 20.000 Kilowattstunden Gas (Endenergiebedarf), liegt der Primärenergiebedarf diesbezüglich bei 22.000 Kilowattstunden. Also um zehn Prozent höher. Käme anstatt einer Gasbrennwerttherme eine Holzheizung zum Einsatz, läge der Primärenergiebedarf bei nur 4.000 Kilowattstunden. Auch wenn die Bewertung keine Rückschlüsse auf die Heizkosten zulässt, zeigt sie doch, dass sich das mit Holz beheizte Gebäude weniger stark auf die Umwelt auswirkt.

Übrigens: Die Primärenergiefaktoren für die Berechnung vom Jahresprimärenergiebedarf sind gesetzlich festgelegt. Sie betragen:

  • 1,8 für Strom
  • 1,1 für Kohle, Gas und Öl
  • 0,2 für Holz

Den Primärenergiebedarf senken: So funktioniert es

Wer den Bedarf an Primärenergie senken möchte, sorgt für eine bessere Ökobilanz. Möglich ist das zum Beispiel mit einer neuen Heizung (anderer Energieträger), einer stärkeren Wärmedämmung und der Vermeidung von Wärmebrücken.

Wärmebrücken-freie Konstruktionen und wirksame Dämmstoffe fließen über den Endenergiebedarf in die Berechnung ein. Wer sich für eine neue Heizung und den Einsatz regenerativer Energieträger entscheidet, ändert hingegen den Primärenergiefaktor, ohne viel Energie im Haus zu sparen. Möglich ist das zum Beispiel mit dem Einsatz einer Holzheizung, einer Pelletanlage oder einer Solarthermieanlage. Auch Hausbesitzer, die sich für eine regenerative Zusatzheizung wie einen Kaminofen entscheiden, können den Primärenergiebedarf ihres Gebäudes spürbar senken.

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