Kurzvorstellung Julia Römer und Coolar

eccuro: Hallo Julia Römer, bitte stellen Sie sich und Ihr Team doch kurz vor!

Julia Römer: Ich habe an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert mit dem Schwerpunkt Technische Chemie. Schon in meiner Bachelorarbeit und meinem Ingenieurspraktikum beschäftigte ich mich hauptsächlich mit alternativer Kühltechnik und entwickelte auch bereits ein Patent in diesem Bereich. Im Sommer 2012 kam mir dann die Idee zu Coolar, woraufhin ich meine Masterarbeit diesem Thema widmete. Da die Idee eines durch Sonnenwärme betriebenen Kühlschrankes auch den wissenschaftlich kritischen Fragen meiner Betreuer standhielt, entschloss ich mich die Idee umzusetzen. Zunächst holte ich meinen früheren Kommilitonen Arno Zimmermann, ebenfalls Wirtschaftsingenieur für Technische Chemie, ins Boot, der bereits Erfolge mit einem anderen StartUp  erzielt hatte und zudem ein Experte für Produktentwicklung ist. Dann wuchs das Team - insbesondere durch die gute Anbindung an die TU - um weitere Studierende der Ingenieurswissenschaften an. So kamen die Maschinenbauer Kilian Mähne und Sandra Zickerow, sowie der Solarthermie-Experte Alberto Gonzalez zu Coolar. Zudem steht uns Roland Kühn, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet für Maschinen- und Energieanlagentechnik und Experte für alternative Kälteanlagen, bei der Technologieentwicklung zur Seite. Über einen Freund von Arno fand außerdem Christoph Göller zu uns, der sich als Wirtschaftswissenschaftler und einziger Nicht-Ingenieur im Team der Geschäftsentwicklung und dem Marketing von Coolar widmet.

Kühlung mit der Sonne

eccuro: In normalen Kühlschränken fließt ein Kältemittel durch einen Kreislauf, nimmt die Wärme aus dem Kühlfach auf und gibt sie über den Wärmeübertrager an der Rückwand nach außen ab. Was unterscheidet coolar von herkömmlichen Geräten?

Julia Römer: Der grundsätzliche Prozess der Aufnahme und Abgabe von Wärme ist bei Coolar derselbe, mit dem Unterschied das bei Coolar das Kältemittel einfaches Wasser ist. Allerdings wird im Coolar System kein elektrisch betriebener Kompressor benötigt um den Kälteprozess am Laufen zu halten.
Stattdessen nutzt Coolar die Verdunstungskälte von Wasser in einem Vakuumsystem und die natürliche Anlagerung des entstehenden Wasserdampfes an ein poröses Nanomaterial um das Kältemittel Wasser in Bewegung zu versetzen. Um diesen Vorgang wiederholen und somit kontinuierlich Kälte erzeugen zu können, muss das Nanomaterial regelmäßig durch Wärmezufuhr von außen getrocknet werden. Hier kommt dann die Wärme der Sonne ins Spiel. Der Fachbegriff für diese Art von Prozess lautet Adsorptionskühlung. Große Kühlaggregate für industrielle Anwendungen werden damit bereits erfolgreich und energiesparend betrieben. Diese Aggregate benötigen jedoch ein großformatiges System zur Wärmebereitstellung und Rückkühlung. Dem Team von Coolar ist es gelungen diese Technologie radikal weiter zu entwickeln. Das Coolar System ist das erste seiner Art, das so kompakt ist um problemlos in die Rückwand eines herkömmlichen Kühlschrankes zu passen.

Umweltfreundlicher Kühlschrank

eccuro: Worin liegen die Vorteile dieser Technologie?

Julia Römer: Wie bereits angesprochen nutzt das System von Coolar Wärme statt Strom. Das ermöglicht eine Vielzahl energiesparender Anwendungsszenarien. Solare Wärme aus Solarthermie-Installationen, Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung oder sonstiger Abwärme - jegliche Art ungenutzter Wärmekapazität ist als Energiequelle für Coolar denkbar. Insbesondere in den Sommermonaten, in denen sowieso niemand heizt, können Überkapazitäten genutzt werden um mit Coolar CO₂-neutral und kostengünstig zu Kühlen.
Dabei werden zudem keinerlei schädliche Materialien eingesetzt. Ein Coolar Kühlgerät ist also im Gegensatz zu herkömmlichen Kühlgeräten bei der Entsorgung nicht als Sondermüll zu behandeln.

Einsatzgebiete für den stromsparenden Kühlschrank

eccuro: Für wen eignen sich die Kühlschränke? Gibt es Einsatzgebiete in denen sie herkömmlichen Kühlgeräten deutlich überlegen sind?

Julia Römer: Die Nutzung solarer Wärme ermöglicht über die Effizienzsteigerungen in unseren Breitengraden hinaus das Kühlen auch in Regionen ohne zuverlässige Stromversorgung. Dort können herkömmliche Kühlschränke meist gar nicht eingesetzt werden. Das Coolar System bietet in Verbindung mit Solarthermie-Installationen eine Lösung für das stromnetzunabhängige Kühlen von lebensrettenden Impfstoffen und Medikamenten in Entwicklungsregionen.

Die Entwicklung von Coolar

eccuro: coolar ist ein junges Berliner StartUp-Projekt. Welche Meilensteine konntet ihr bereits erreichen und welche Schritte stehen nun an?   

Julia Römer: Wir konnten im letzten Jahr die theoretische Machbarkeit der Idee nachweisen und entwickeln zur Zeit unseren ersten selbstgebauten Demonstrator - einen Mini-Kühlschrank - weiter. Dieser soll uns mehr Aufschluss über die praktische Anwendbarkeit der Coolar-Idee geben. Wichtig für uns war zudem die Aufnahme in einige Förderprogramme, die jedes Mal mit einer harten Auswahlrunde verbunden waren. Sie haben uns entscheidend vorangebracht, oder bringen uns  immer noch voran. Von Mai 2014 bis Mai 2015 war Coolar Teil des Greenhouse Programmes des EIT Climate-KIC, seit November 2014 sind wir im Social Impact Start Programm des Social Impact Lab Berlin und seit April 2015 im ebenfalls EIT Climate-KIC finanzierten Accelerator Programm inklusive erstem eigenen Büro in der Green Garage auf dem EUREF Campus in Schöneberg.
Im nächsten Schritt gilt es nun durch Sponsoring und Spenden mehrere große Kühlschränke für Feldtests in Entwicklungsprojekten zu finanzieren. Mit den daraus gewonnenen Erfahrungswerten kann dann die Skalierung auf eine Kleinserienproduktion ins Auge gefasst werden.

Wer auf dem Laufenden bleiben möchte kann uns gern auf Twitter (@coolartech) oder Facebook (facebook.com/coolar.technologies) folgen oder sich regelmäßig unsere Website (coolar.co) anschauen.

Fazit und Zusammenfassung

Herkömmliche Kühlschränke verbrauchen auch heute noch viel Strom und eine besondere Effizienzsteigerung der altbekannten Technik ist dabei kaum mehr möglich. Das Startup coolar aus Berlin möchte hingegen Kühlschränke produzieren, die nahezu komplett auf Strom verzichten. „Kühlung mit der Sonne“ lautet das Motto, das sich auch im Namen des Startups coolar versteckt.

Das Grundprinzip der Entwicklungen ist die Kühlung durch Adsorption. Das ist nicht ganz neu, denn auch große Industrieanlage Arbeiten bereits lange Zeit auf diese Weise. Besonders innovativ ist aber die Weiterentwicklung zu einer so kompakten Bauform, dass alles in einen Kühlschrank passt.

Neben der hohen Energieeinsparung in unseren Breitengraden kann coolar damit eine sichere Kühlung auch in Regionen ohne sichere Stromversorgung ermöglichen. Das ermöglicht einen höheren Lebensstandard, vor allem aber auch eine bessere medizinische Versorgung.

Wir bedanken uns recht herzlich für die interessanten Informationen und wünschen  dem coolar-Team viel Erfolg für die Zukunft!

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