Aufbau und Funktionsweise der Holzvergaseröfen

Auf den ersten Blick ist ein Holzvergaserofen kaum von einem konventionellen Kaminofen zu unterscheiden. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt unter der Brennkammer eine zweite. Beide sind jeweils mit einer Glastür ausgestattet, die einen freien Blick auf das Innere der Öfen eröffnet.

In der obersten Brennkammer liegt ein Vorrat an Holzscheiten. Ist dieser entzündet, saugt der Holzvergaserofen die entstehenden Holzgase in die untere Kammer. Hier verbrennen sie unter optimalen Bedingungen und sehr hohen Temperaturen. Ist der Kaminofen einmal in Gang gesetzt, verzaubert er mit einem einzigartigen Flammspiel. Während das Holzfeuer in der oberen Kammer leicht flackert, brennt das Holzgas in der unteren Brennkammer kraftvoll und energiegeladen.

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Hohe Flammtemperaturen sorgen für eine saubere Verbrennung

Das besondere am Holzvergaserofen ist aber nicht die romantische Stimmung, die vom lodernden Feuer ausgeht. Vielmehr sind es die hohen Temperaturen in der unteren Brennkammer. Denn die sorgen für eine saubere Verbrennung mit sehr guten Abgas- und Staubwerten. Darüber hinaus entzieht ein spezieller Wärmeübertrager (Wassertasche) den heißen Verbrennungsgasen so viel Energie, dass moderne Holzgas-Kaminöfen Wirkungsgrade von bis zu 93 Prozent erreichen. Sie machen also fast die gesamte Energie der eingelegten Brennstoffe für die Heizung nutzbar.

Übrigens: Die hohen Wirkungsgrade sorgen dafür, dass der Holzvergaserofen alles aus den eingelegten Holzscheiten herausholt. Das senkt den Verbrauch an Holz und damit auch die Heizkosten spürbar. Durch die niedrigen Emissionen der Holzgas-Technik sind auch die gesetzlichen Anforderungen kein Problem.

Leiser und komfortabler Betrieb durch Naturzug im Holzvergaserofen

Damit das Holzgas in der unteren Brennkammer des Kaminofens verbrennen kann, ist ein Luftzug nötig. Bei einer Holzvergaserheizung entsteht dieser durch ein Gebläse, das Luft aus der oberen in die untere Kammer drückt oder saugt. Da die Geräusche der Ventilatoren den Komfort im Wohnzimmer stören, gibt es Holzvergaseröfen mit Naturzug. Hier strömt das Holzgas durch Dichteunterschiede zwischen der heißen Luft im Ofen und der kalten Umgebungsluft nach unten.

Wassertasche überträgt einen Teil der Wärme auf die Heizungsanlage

Die im Kaminofen integrierte Wassertasche (Wärmeübertrager) entzieht dem Feuer rund 70 Prozent seiner Energie und überträgt diese auf das Heizungswasser. Das erwärmt sich dabei und strömt anschließend zur zentralen Heizungsanlage. Etwa 30 Prozent der Verbrennungsenergie geht in Form von Strahlung auf den Aufstellraum über. Sonnengleich sorgt sie hier für ein besonders hohes Wohlbefinden.

Übrigens: Wer einen Holzvergaserofen im Niedrigenergiehaus betreiben möchte, benötigt meist nur eine geringe Raumheizleistung. Andernfalls könnten die Zimmer durch eine besonders energiesparende Bauweise schnell überhitzen. Realisieren lässt sich das mit einem Anhängewärmeübertrager, der auch Wärme über die Seitenwände abgreift, um das Heizungswasser zu erhitzen.

Schichtladespeicher bevorratet die Heizwärme der Holvergaseröfen

Ein Kaminofen arbeitet nur dann sparsam und effizient, wenn er das eingelegte Holz bei voller Leistung verbrennen kann. Da der Wärmebedarf im Haus ständig schwankt, ist das in der Praxis eigentlich kaum möglich. Für Abhilfe sorgen aber Puffer- oder Schichtladespeicher. Diese bestehen aus großen isolierten Behältern, die mit Heizungswasser befüllt sind. Besteht im Haus kein Bedarf, nehmen die Pufferspeicher Energie vom Ofen auf und erwärmen sich. Steigt der Bedarf im Haus wieder an, leitet die Heizungsregelung heißes Speicherwasser durch das Gebäude und entlädt die Puffer.

Übrigens: Sollte der Holzvergaserofen laufen, wenn die Speicher gefüllt sind und im Haus kein Bedarf besteht, könnte die Anlage überhitzen. Das Heizungswasser würde sich ausdehnen und zu ernsten Schäden führen. Damit das nicht passiert, sind wasserführende Kaminöfen mit einer sogenannten thermischen Ablaufsicherung (TAS) ausgestattet. Diese öffnet im Notfall ein Ventil, das kaltes Trinkwasser durch einen Notwärmeübertrager fließen lässt. Das Wasser nimmt überschüssige Wärme aus dem Ofen auf und läuft dann in das Abwassersystem.

Kombination mit Solarthermieanlage für sehr geringe Heizkosten

Möchten Hausbesitzer ökologisch und vor allem günstig heizen, können sie den Holzvergaserofen auch mit einer Solarthermieanlage kombinieren. Diese gewinnt kostenfreie Energie aus der Strahlung der Sonne und erwärmt damit den Speicher im Haus. Von diesem ausgehend, lässt sich die thermische Energie dann an die einzelnen Räume oder die Warmwasserbereitung verteilen. Während die Solarthermieanlagen ein Haus in der Übergangszeit nahezu allein beheizen können, steuert der Holzgas-Kaminofen im Winter Wärme zu. Die konventionelle Heizung muss dann kaum noch laufen und die Heizkosten sinken.

Video: Aufbau und Funktion eines Holzvergaserofens einfach erklärt

Im Video erklären die Experten der GUT GmbH wie ein Holzvergaserofen funktioniert.

Geeignete Brennstoffe und richtige Bedienung der Kaminöfen

Ein Holzvergaserofen arbeitet mit naturbelassenem stückigen Holz. Wie bei einem konventionellen Kamin sollten Hausbesitzer dabei nur gut getrocknete Scheite verheizen. Um das sicherstellen zu können, sind die gespaltenen Hölzer an einer sonnigen und gut belüfteten Stelle vor dem Haus zu lagern. Während ein Vordach oder eine Plane vor Regen und Schnee von oben schützt, hält ein kleiner Unterbau aus Paletten oder Rundhölzern auch die Feuchte aus dem Boden fern.

Übrigens: Frisches Waldholz sollte nicht im Gebäudeinneren gelagert werden. Denn es gibt im Laufe der Zeit viel Feuchtigkeit ab, die vor allem in schlecht belüfteten Räumen zu Schimmel führen kann. Um den Trocknungsgrad der Scheite zu erhöhen, können Verbraucher aber einen Ein- oder Zweitagesvorrat in der Nähe des Ofens stapeln.

Holzvergaserofen in drei einfachen Schritten richtig anfeuern

Vor allem dann, wenn der Holzvergaserofen mit Naturzug arbeitet, kommt es auf die richtige Bedienung an. Das funktioniert am besten in drei einfachen Schritten, wie die folgende Tabelle zeigt:

Holzvergaserofen bedienen Erklärung
Anfeuern Hausbesitzer legen einige Holzscheite kreuzweise übereinander in den Ofen. Darauf kommen einige Anzündhölzer, die sie dann mit einem geeigneten Material entzünden. Die Zugklappe zum Schornstein muss geöffnet sein. Der Abzug der Rauchgase entwickelt sich durch die Dichteunterschiede zwischen der Luft im Ofen und in der Umgebung von allein.
Brennphase Ist die Temperatur im Ofen auf über 300 Grad Celsius angestiegen, können Verbraucher die Zugklappe zum Schornstein schließen und den Weg zur zweiten Brennkammer öffnen. Der natürliche Zug ist nun so groß, dass die Abgase über die zweite Kammer und den Wärmeübertrager zum Schornstein strömen. Der Ofen arbeitet nun bei Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius und erreicht die höchste Effizienz.
Heizphase Der Wärmeübertrager überträgt nun Wärme auf das Heizwasser. Dieses strömt in den Pufferspeicher und über diesen zu den Heizflächen oder zur Warmwasserbereitung.

Einsatzbereiche: Wann lohnt sich ein Ofen mit Vergasertechnik?

Ein Holzvergaserofen eignet sich für unterschiedliche Anwendungsfälle. So zum Beispiel als Allein- oder Zusatzheizung für eine zentrale wasserführende Heizungsanlage.

Holzvergaserofen als Wärmeerzeuger zentraler Heizungsanlagen

Arbeitet der Holzgas-Kaminofen ohne zusätzlichen Wärmeerzeuger, sollten Hausbesitzer ausreichend Zeit haben. Denn dann müssen sie den Kaminofen mehrmals am Tag beladen. Auch wenn ein Pufferspeicher die Intervalle ausdehnt, sind längere Abwesenheiten ohne Zusatzheizung nicht möglich.  

Zusatzheizung als Ergänzung vorhandener Wärmeerzeuger  

Günstiger ist es, den Holzvergaserofen als Zusatzheizung zu betreiben. In dieser Funktion kann er eine alte Öl-, Gas- oder Holzheizung ergänzen und die Heizkosten spürbar senken. Wer zusätzlich auch eine Solarthermieanlage installiert muss die konventionelle Heizung nur noch an besonders kalten Tagen anschalten. Das ist umweltfreundlich und senkt die Energiekosten spürbar.

Hersteller und Typen der effizienten Holzgas-Kaminöfen

Im Vergleich zu konventionellen Kaminöfen ist die Auswahl an Holzvergaseröfen heute recht knapp. In der folgenden Liste geben wir daher einen Überblick über Hersteller, ihre Modelle und deren wichtigste Daten.

Holzvergaserofen Hersteller Modelle und Eigenschaften
Künzel Holzvergaser Heizkessel HV-W

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Gebläse
Füllraumvolumen: 59 Liter
Zur Heizungsunterstützung: Ja
Wirkungsgrad: 94 %
Leistung: 16 kW Heizung + 3 kW Raum
Künzel Holzvergaser Heizkessel HV-H

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Gebläse
Füllraumvolumen: 59 Liter
Zur Heizungsunterstützung: Ja
Wirkungsgrad: 94 %
Leistung: 16 kW Heizung + 3 kW Raum
Luuma Luvano

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 32 Liter
Zur Heizungsunterstützung: Ja
Wirkungsgrad: > 91 %
Leistung: 8,5 kW Heizung + 1,5 kW Raum
oder 12,75 kW Heizung + 2,25 kW Raum
Powall Phönix

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: ofen
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 22 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: > 87 %
Leistung: 14,2 kW Heizung + 3,2 kW Raum
Powall Sonne

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 65 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 89,4 %
Leistung: 20,9 kW Heizung + bis 4,5 kW Raum
Powall Sonne

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Einsatz
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 65 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 89,4 %
Leistung: 21,3 kW Heizung + bis 4,5 kW Raum
Powall Vario K

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Einsatz
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 60 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: ?
Leistung: 25 kW Heizung + bis 7 kW Raum
Powall Ofka

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Einsatz
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 65 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 90 %
Leistung: 25 kW Heizung + bis 6,5 kW Raum
Oranier Hektos Aqua

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz:
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: ca. 45 Liter
Zur Heizungsunterstützung: Ja
Wirkungsgrad: > 90 %
Leistung: 7,5 kW Heizung + 3 kW Raum
Wallnöfer Walltherm Königsspitze

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 55 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 93 %
Leistung: 10,43 kW Heizung + 4,17 kW Raum
Wallnöfer Walltherm Wilder Kaiser

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Einsatz
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 55 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 93 %
Leistung: 10,43 kW Heizung + 4,17 kW Raum
Wallnöfer Walltherm Vajolet

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: beides
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 55 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: 90,8 %
Leistung: 12 kW Heizung + 3 kW Raum
Wallnöfer Ortler

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Einsatz
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 55 Liter
Zur Heizungsunterstützung: ja
Wirkungsgrad: > 90 %
Leistung: 12 kW Heizung + 3 kW Raum
Wallnöfer Air

Freistehender Ofen/ Heizeinsatz: Ofen
Gebläse/ Naturzug: Naturzug
Füllraumvolumen: 55 Liter
Zur Heizungsunterstützung: nein
Wirkungsgrad: > 87 %
Leistung: 6 bis 12 kW Raum

Holzvergaserofen: Kosten und Fördermittel im Überblick

Wie viel ein Holzvergaserofen kosten kann, hängt sehr stark von den örtlichen Gegebenheiten und der bereits installieren Technik ab. Ein Experte kann die Situation vor Ort prüfen und ein günstiges Angebot kalkulieren. Die Holzvergaseröfen kosten dabei ab 4.000 Euro aufwärts. Entscheidend ist hier neben der Leistung auch die Art der Ausführung. Hinzu kommen Ausgaben für einen effizienten Schichtladespeicher, die sich auf etwa 2.000 bis 3.000 Euro belaufen. Steht eine Schornsteinsanierung an oder muss ein neues Abgassystem nachgerüstet werden, können Hausbesitzer mit zusätzlichen Kosten von 1.500 bis 3.000 Euro rechnen. Wer sich darüber hinaus auch für eine Solarthermieanlage zur Heizungsunterstützung interessiert, muss neben dem Preis für den Holzvergaserofen mit Kosten von 8.000 bis 12.000 Euro rechnen.

Fördermittel senken die Kosten von Holzvergaseröfen mit Solar

Fördermittel gibt es aktuell leider nur für die Solaranlage. Hier können Hausbesitzer mit einem Zuschuss in Höhe von mindestens 2.000 Euro rechnen, wenn die Anlage Heizung und Warmwasser versorgt. Die Mittel gibt es über das Programm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Sie sind unbedingt vor dem Beginn des Vorhabens zu beantragen. Wie das funktioniert, erklären wir im Beitrag „BAFA-Förderung der Heizung“.

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