Energetische Modernisierung – Kritik der Mieter

Für Mieter, die mit einer energetischen Modernisierung konfrontiert werden, stellt sich dies häufig als unattraktiv dar:

 

 

 

 

 

  • Je nach Maßnahmenumfang können recht erhebliche Eingriffe in die Wohnung erforderlich werden, Lärm und Schmutz sind für Mieter oftmals sehr belastend.

  • Insbesondere ältere Mieter oder solche, die aus gesundheitlichen Gründen, wegen Kleinkindern oder auch zur Vorbereitung einer Prüfung praktisch den ganzen Tag zu Hause verbringen müssen, empfinden die Belastung als extrem.

  • In vielen Fällen sind vorgesehene Maßnahmen gar nicht einsichtig – wie z.B. die Vollverkleidung von gemauerten dicken Wänden mit Styropor, während andere, naheliegende Maßnahmen – wie z.B. die Isolierung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke und über Gebäudedurchfahrten – nicht durchgeführt werden.

  • Modernisierungen finden häufig nur dann statt, wenn ohnehin große Instandhaltungsdefizite bestehen. Der Mieter hat also den Eindruck, dass er im Rahmen der Modernisierung auch die fällige Instandhaltung mitbezahlt.

  • Viele Mieter stoßen sich auch daran, dass die verwendeten Materialien nach einiger Zeit wieder entsorgt werden müssen, und für die Umwelt zu einer Belastung führen; sie fürchten Veränderungen des Raumklimas und weitere Folgen, wie etwa Schimmelbildung.

  • Die Maßnahmen sind für die Mieter meist mit einer beträchtlichen Mieterhöhung verbunden. Die Einsparung an Heizkosten bleibt in vielen Fällen dahinter weit zurück.

Die Mieter können zwar die energetische Modernisierung in aller Regel nicht verhindern. Aber es gibt vermehrt Widerstände gegen die modernisierungsbedingte Mieterhöhung, durch die sich die Mieter finanziell überfordert sehen, insbesondere dann, wenn sie außer Verhältnis zur Kosteneinsparung steht. In jedem Falle muss ersparter Reparaturaufwand berücksichtigt werden. Inanspruchnahme öffentlicher Förderung bremst den Mietanstieg.

Wir bedanken uns bei Dr. Rainer Tietzsch von proMietrecht für den interessanten Gastartikel.

Energetische Modernisierung – Kritik der Mieter

Dr. Rainer Tietzsch

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1 Kommentar

Sebastian Brauer 03.06.2015, 10:32

Vielen Dank für diese Beschreibung. Die genannten Probleme tauchen sicherlich auf. Umgekehrt habe ich als Energieberater aber auch schon oft erlebt, dass sich Mieter eine energetische Modernisierung ihres Hauses dringend wünschen. Hauptmotivation ist hier zuerst natürlich eine Senkung der Heizkosten (die ja vom Mieter getragen werden), aber auch Probleme mit Schimmel oder Feuchtigkeit. Demgegenüber steht dann oft auch mangelnder Investitionswillen des Hausbesitzers.

Lärm und Schmutz lassen sich bei einer Baustelle sicherlich nicht vollständig vermeiden, unter Umständen kommen hier aber zumindest Mietminderungen o. ä. als kleine Kompensation zur Anwendung. Oben benannte Befürchtungen wie Schimmelbildung, Gesundheitsbelastungen durch ungeeignete Materialien, negative Beeinflussung des Raumklimas u. ä. lassen sich aber immer durch fachgerechte Planung und Ausführung z. B. mit Hilfe eines Energieberaters vermeiden.

Daher vielleicht ein Rat an alle betroffenen Mieter: lassen Sie sich geplante Modernisierungsmaßnahmen im Vorfeld gut erklären, fragen Sie nach Planungsunterlagen und Referenzen der ausführenden Firmen. Wenn sich Ihr Vermieter für eine entsprechende Baumaßnahme entschieden hat, hat er nämlich in der Regel auch ein Interesse daran, dass seine Investition nachhaltig ist und will Baufehler und nachfolgende Probleme vermeiden.

Sebastian Brauer

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