Neue Fenster: Viele Gründe sprechen für einen Fenstertausch

Wann sollte ich neue Fenster einbauen? Wie lange kann ich die Alten noch verwenden? Diese Fragen beschäftigen viele Käufer und Besitzer älterer Gebäude. Die Antwort hängt dabei immer vom individuellen Zustand der Bauteile ab. Neue Fenster lohnen sich zum Beispiel, wenn alte Einfachfenster mit einer Scheibe verbaut sind. Diese haben einen U-Wert von 4,5 W/m²K oder schlechter und lassen sehr viel Wärme nach außen verschwinden. Die Folge sind sehr hohe Heizkosten und ungemütliche Zugluft. Letztere entsteht, da sich die warme Raumluft an den Fensterscheiben abkühlt. Dabei steigt ihre Dichte und sie fällt nach unten. Zugluft kann aber auch an undichten Scheibeneinfassungen oder Rahmen entstehen. Hier tritt kalte Luft direkt nach innen. Sie sorgt für eine höhere Heizlast und damit auch für steigende Energiekosten. Die folgende Liste zeigt 5 Gründe für neue Fenster im eigenen Haus:

Nr. Grund für neue Fenster Folgen ohne Fenstertausch
1 Alte Fenster haben einen schlechten U-Wert (zum Beispiel Einfach- oder Kastendoppelfenster). Zugluft und hohe Heizkosten
2 Die vorhandenen Fensterelemente sind undicht Zugluft und hohe Heizkosten
3 Fensterflügel lassen sich nicht mehr verschließen. Einbruchgefahr
4 Der Schallschutz im Haus ist ungenügend. störende Geräusche
5 Der Rahmen der Fenster ist beschädigt. Einbruchgefahr, Zugluft und hohe Heizkosten

Die Übersicht zeigt, dass sich ein Fenstertausch aus verschiedenen Gründen lohnen kann. Auch wenn der Wärmeschutz dabei weit oben steht, entscheiden sich immer mehr Hausbesitzer aus Sicherheits- und Schallschutzgründen für neue Fenster.

Neue Scheiben statt Fenstertausch im Gebäudebestand

Sind Rahmen und Flügel noch intakt, lohnt es sich vor allem bei alten Holzfenstern häufig, nur das Fensterglas austaushen zu lassen. Auf diese Weise können Hausbesitzer die energetische Qualität der Fensterflächen verbessern, ohne auf den Charme der alten Bauteile verzichten zu müssen. Ob ein Scheibentausch möglich ist, weiß ein Glaser aus der Region.

Energieberatung hilft, wenn Hausbesitzer unsicher sind

Wer nicht sicher ist, ob sich ein Fenstertausch tatsächlich lohnt, kann die Hilfe eines Energieberaters in Anspruch nehmen. Die Experten begutachten die alten Fensterelemente vor Ort und können schnell sagen, ob ein Austausch an der Reihe ist. Hausbesitzer können dabei aus verschiedenen Angeboten wählen. Während die Experten der Verbraucherzentrale Detailfragen vor Ort dank staatlicher Förderung für nur 30 Euro klären, gibt es für die ganzheitliche Energieberatung heute einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent. Weitere Informationen dazu geben wir in unserem Beitrag zur Energieberater-Förderung.

Anforderungen an neue Fenster: Das gilt in Deutschland

Alte Fenster raus – neue rein und fertig. Ganz so einfach ist es hierzulande nicht. Denn wer neue Fenster einbauen möchte, muss einige Vorgaben berücksichtigen. So fordert die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) zum Beispiel einen U-Wert von 1,3 W/m²K für neue Fenster. Geht es um Sonderverglasungen mit hohem Schall-, Brand- oder Vandalenschutz gilt hingegen ein U-Wert von 2,0 W/m²K als Grenzwert. Eine Ausnahme besteht, wenn der Fenstertausch weniger als 10 Prozent der Fensterflächen eines Gebäudes betrifft. In diesem Fall stellt die EnEV keine Mindestanforderungen an die neue Verglasung.

Fenstertausch erfordert häufig auch ein Lüftungskonzept

Neue Fenster sind in der Regel um einiges dichter als alte. Sie lassen nur noch sehr wenig Außenluft hindurch und verändern so die klimatischen Verhältnisse im Haus. Denn ohne die natürliche Durchlüftung kann sich Feuchtigkeit in der Luft ansammeln. Kondensiert diese dann an kalten Wandflächen, entstehen nasse Stellen und es kann zur Schimmelbildung kommen. Ein Lüftungskonzept ist immer dann Pflicht, wenn Hausbesitzer mehr als ein Drittel der Fenster im Haus austauschen. Experten prüfen dabei, ob trotz neuer Fenster ausreichend Luft zirkuliert, um die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit sicher abführen zu können. Ist das nicht der Fall, ist unter Umständen eine Wohnungslüftung einzubauen.

Übrigens: Wieso entsteht Schimmel und wie lässt er sich restlos beseitigen? Darüber berichten wir in unserem Ratgeber zum Thema Schimmel.

Kunststoff, Alu oder Holz: Fenster-Materialien im Vergleich

Steht ein Fenstertausch an, haben Hausbesitzer eine große Auswahl an Materialien. Neben Kunststoff, Alu sowie Holz können sie sich dabei auch für Verbundfenster aus Alu und Kunststoff oder Holz und Alu entscheiden. Dass alle Fensterarten eigene Vor- und Nachteile haben, zeigt die folgende Tabelle. 

Material der neuen Fenster Vorteile Nachteile
Kunststoff Pflegeleicht, guter Schall- und Wärmeschutz, zahlreiche Größen und Formen herstellbar, verschiedenste Farben und Designs, hohe Lebensdauer, vergleichsweise günstig statische Aufladung kann Staub und Schmutz anziehen, Kratzer oder Dellen lassen sich kaum ausbessern, Rahmen können sich verziehen, Farben blassen teilweise aus
Aluminium witterungsbeständig, besonders langlebig, stabil, für größere Formate geeignet, guter Einbruchschutz geringerer Wärmeschutz, höhere Anschaffungskosten, schlechtere Ökobilanz des Werkstoffs
Holz energieeffizient, gute Schallschutzeigenschaften, umweltfreundlich, robust regelmäßige Pflege ist Pflicht, begrenzte Haltbarkeit, eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten, kostenintensiver in der Anschaffung

Verbundfenster kombinieren die Vorteile der einzelnen Arten. So bieten neue Fenster aus Kunststoff und Alu ein besonders hohes Maß an Sicherheit. Sie sind stabil und punkten zudem auch mit einem hohen Wärmeschutz. Weitere Informationen gibt unser Fenster-Vergleich.

Neue Fenster: Kosten für Anschaffung und Montage

Wie viel ein neues Fenster kosten kann, hängt in erster Linie vom Material ab. Darüber hinaus sind aber auch die Formate und Formen bedeutende Einflussfaktoren. Ob der Preis für ein neues Fenster hoch oder niedrig ist, hängt nicht zuletzt aber auch von der Verglasung ab. Günstig sind dabei vor allem Fenster in Standardmaßen und rechteckigen Formaten mit Zweifachverglasung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Material der neuen Fenster Preise (ohne Lieferung und Einbau)
Kunststoff ab 80 Euro
Aluminium ab 180 Euro
Holz ab 100 Euro
Kunststoff-Alu ab 100 Euro
Holz-Alu ab 150 Euro

Ohne weitere Angaben sind die Preise allerdings wenig aussagekräftig. Aus diesem Grund hat das Bayerische Landesamt für Umwelt genauere Orientierungswerte veröffentlicht. Moderne Fenster mit hohem Wärmeschutz und Dreifachverglasung in den Abmessungen 1,30 x 1,30 m Kosten dabei inklusive Lieferung und Einbau:

  • Kunststofffenster: etwa 500 Euro
  • Holz-Aluminium-Fenster: etwa 680 Euro
  • Alufenster: etwa 780 Euro

Eine genaue Antwort bekommen Hausbesitzer allerdings nur mit dem individuellen Angebot eines Experten.

Neue Fenster: Förderung seit 2020 höher als zuvor

Mit dem Klimapaket hat die Regierung Ende 2020 einige Änderungen der deutschen Förderkulisse beschlossen. Darunter ein Anstieg der Förderraten für die energetische Sanierung und die Einführung eines neuen Steuerbonus.

Günstige Darlehen oder hohe Zuschüsse von der Förderbank KfW

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert Maßnahmen zum energetischen Sanieren über die Programme 430 und 152. So gibt es:

Voraussetzung ist, dass Hausbesitzer die Förderung für neue Fenster vor dem Einbau mit einem Energieberater beantragen. Außerdem müssen sie Wärmeschutzfenster mit folgenden Eigenschaften einbauen.

Einbauort für neue Fenster U-Wert zur Förderung
Fenster, Balkon- und Terrassentüren mit Mehrscheibenverglasung 0,95 W/m²K
Barrierearme oder einbruchhemmende Fenster, Balkon- und Terrassentüren 1,1 W/m²K
Ertüchtigung von Fenstern und Kastenfenstern sowie Fenstern mit Sonderverglasung 1,3 W/m²K
Dachflächenfenster  1,0 W/m²K
Austausch von Fenstern an Baudenkmalen oder erhaltenswerter Bausubstanz 1,4 W/m²K
1,6 W/m²K bei glasteilenden Sprossen
Ertüchtigung von Fenstern an Baudenkmalen oder erhaltenswerter Bausubstanz 1,6 W/m²K

Wichtig ist außerdem, dass die neuen Fenster energetisch schlechter als die umliegenden Wände sind. Grund dafür ist, dass Feuchtigkeit so zuerst an den Glasflächen kondensiert. Hier ist sie gut sichtbar. Hausbesitzer können nasse Stellen trocken wischen und richtig lüften. Fällt die Feuchtigkeit hingegen an Wänden aus, ist sie unter Umständen nicht erkennbar und mit der Zeit kann es zur Schimmelbildung kommen.

Übrigens: Wer neue Fenster einbauen möchte, die besser als die umliegenden Wände sind, muss mithilfe einer Lüftungsanlage dafür sorgen, dass keine Feuchtigkeit kondensiert. Das gilt zumindest dann, wenn der natürliche Luftwechsel nicht ausreicht, um genügend Feuchtigkeit aus dem Haus zu schaffen.

Auch Steuerbonus für die Sanierung ist für neue Fenster erhältlich

Alternativ zur KfW-Förderung können Besitzer selbst genutzter Häuser auch den neuen Steuerbonus für die Sanierung nutzen, wenn sie neue Fenster einbauen lassen wollen. Dabei können sie 20 Prozent der Sanierungskosten über einen Zeitraum von drei Jahren steuerlich geltend machen. Die Höchstsumme ist auf 40.000 Euro begrenzt. Beantragen lässt sich der Steuerbonus nach Abschluss aller Arbeiten über die jährliche Einkommensteuererklärung. Die technischen Anforderungen sind dabei die gleichen, wie bei der KfW-Förderung.

Handwerkerkosten für den Einbau neuer Fenster steuerlich absetzen

Erfüllen Sanierer die hohen technischen Anforderungen zur Förderung nicht, können sie zumindest die Handwerkerkosten für den Fenstertausch von der Steuer absetzen. Jedes Jahr lassen sich dabei bis zu 6.000 Euro angeben. Bei einer Förderrate von 20 Prozent zieht das Finanzamt dann 1.200 jährlich von der Steuerlast ab. Wie die Mittel zu beantragen sind, erklären wir im Beitrag Lohnkosten absetzen.

Neue Fenster einbauen: Häufig gestellte Fragen zum Fenstertausch

Wer sich mit dem Fenstertausch beschäftigt, hat viele Fragen zu beantworten. Wir geben Antworten auf die wichtigsten.

Muss ich mit neuen Fenstern im Haus besser lüften?

Ja! Neue Fenster sind in der Regel deutlich dichter als alte. Dadurch strömt weniger Luft auf natürlichem Wege durch das Haus und Verbraucher müssen besser lüften. Anders besteht die Gefahr, dass sich Feuchte- und Schadstofflasten ansammeln. Das führt zu schlechter Luft, einem sinkenden Komfort und im schlimmsten Fall sogar zu Feuchteschäden wie Schimmel. Sicherheit erlangen Hausbesitzer mit einer Lüftungsanlage. Nutzt diese die Wärme der verbrauchten Abluft, hilft sie sogar dabei, Energie zu sparen. Fensterfalzlüfter helfen hingegen nur bedingt.

Zweifachverglasung oder Dreifachverglasung: Was ist besser?

Grundsätzlich bieten Fenster mit Dreifachverglasung den besseren Wärmeschutz. Sie sind 10 bis 15 Prozent teurer und KfW-förderfähig. Geht es um den Einbau in Gebäuden ohne Wärmedämmung, erfüllen die günstigeren Fenster mit Zweifachverglasung ihren Zweck. Sie entsprechen den technischen Anforderungen der EnEV, sind allerdings meist nicht förderfähig. In neuen und sanierten Gebäuden fahren Hausbesitzer besser, wenn sie neue Fenster mit Dreifachverglasung einbauen. Die Mehrkosten lassen sich mit der attraktiven Förderung mehr als ausgleichen und die Heizkosten sind spürbar niedriger.

Muss ich die Fassade dämmen, wenn ich neue Fenster einbaue?

Nicht zwangsläufig. Sind die neuen Fensterscheiben energetisch besser als die umliegenden Wände, ist allerdings eine feuchtetechnische Untersuchung erforderlich. Experten prüfen dabei, ob der natürliche Luftwechsel ausreicht, um die nutzerunabhängigen Feuchtelasten zuverlässig abzuführen. Ist das nicht der Fall, ist oft eine mechanische Lüftungsanlage erforderlich, wenn Sanierer die Fassade nicht dämmen möchten.

Kann ich neue Fenster auch selbst in mein Haus einbauen?

Ja. Wer ausreichend Erfahrung und handwerkliches Geschick hat, kann die Fenster selbst einbauen. Erfolgt die Montage nicht fachgerecht, drohen aber Feuchteschäden. Aus diesem Grund empfehlen wir zumindest die Unterstützung durch einen erfahrenen Experten. Große Fensterelemente sollten Hausbesitzer darüber hinaus ohnehin mindestens zu zweit einbauen.

Gibt es Fördermittel, wenn ich den Fenstertausch selbst erledige?

Ja. Auch bei dem Fenstertausch in Eigenregie gibt es hohe Fördermittel von der KfW. Voraussetzung ist, dass ein Energieberater die Maßnahme prüft und den fachgerechten Einbau der Elemente gegenüber der KfW bestätigt. Förderbar sind dabei die Materialkosten.

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